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"Hab' ich nicht verstanden."
An der letzten Delegiertenversammlung der Juso Schweiz waren die beiden Bundesratskandidatinnen der SP, Simonetta Sommaruga und Jaqueline Fehr zum Hearing eingeladen. Leider fiel die Stellungnahme zu LGBT-Anliegen eher bedürftig aus.
Also das hat mich doch ziemlich überrascht. Obwohl mir bewusst war, dass unsere Fragen nicht einfach waren, - zumindest die Zweite war sehr anspruchsvoll und bedarf schon einer vorgängigen Auseinandersetzung mit Gender- und Queerstudies: „Abschaffung von Geschlecht und Geschlechtlichkeit“... Eine abstrakte, aber für uns GaynossInnen dennoch ernsthafte Vorstellung. Wir wissen um alternative geschlechtliche Identitäten und finden nicht, dass diese Minderheiten ignoriert werden dürfen. Die Bezeichnung „männlich“ und „weiblich“ sind von einer Vorstellung der Gesellschaft geprägt, die heteronormativ ist und nicht alle möglichen Individuen miteinbezieht. Das können wir schlimm oder nicht schlimm finden. Wir GaynossInnen stehen für eine Welt der völligen Gleichberechtigung, auch in der Sprache und in ihrer Verwendung. Wir finden es gut, dass in Bern nun von Zebrastreifen statt Fussgängerstreifen geredet wird. Und dass wir Genossinnen und Genossen sagen, Mitglieder und Ohneglieder. Natürlich ist uns bewusst, dass aktuell dringendere Fragen zu besprechen sind. Die Finanz- und Bankenkrise beschäftigt uns Jusos und insbesondere uns GaynossInnen auch an erster Stelle. Nichts desto trotz engagieren wir uns auch für die Abschaffung der Wehrpflicht, für mehr KiTa-Plätze, gegen die Ausschaffungsinitiative, für das Bleiberecht von Olivier Cayo und eben genauso für eine weltoffene und gerechte Form des Zusammenlebens von Menschen verschiedenster geschlechtlicher Identitäten. Dabei würden wir uns gerne mehr Unterstützung seitens unserer Genossinnen und Genossen wünschen. Zumindest die Anerkennung unserer Problematik und Diskriminierung.
Leider durfte nur Simonetta auf unsere Frage antworten, ob sie eine Abschaffung oder totale Öffnung der Ehe befürworten würde. Die darauffolgende Antwort und das verblüffte Gesicht hatte ich nicht erwartet: „Abschaffung der Ehe? Nein, wieso? Ich bin verheiratet.“ Aha. Dann ist ja gut. Das erinnerte mich ein bisschen an Aussagen von PassantInnen beim Unterschriften Sammeln für die 1-zu-12-Initiative: „Gerechte Löhne? Nein, wieso? Ich hab 'nen guten Lohn“.
Nachtrag: Aber Simonetta ist dann doch noch Sozialdemokratin: Sie hat sich immerhin bereit erklärt, von uns ausgewählte Texte zu studieren. Vielleicht bringt das ja was.
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